Warum Workflows die digitale Transformation im BIM verlangsamen
Die digitale Transformation bleibt eine Priorität in der gesamten Baubranche. Organisationen investieren in neue Technologien, schärfen ihre Datenstrategien und suchen nach Möglichkeiten, die Zusammenarbeit in immer komplexeren Projekten zu verbessern. In vielen Fällen steht BIM bereits im Mittelpunkt dieser Ambition.
Trotz dieser Fortschritte erleben viele Teams in der täglichen Realität der Projektabwicklung weiterhin Reibungsverluste. Modelle mögen fortschrittlicher sein, Toolsets umfangreicher, doch über Disziplinen und Stakeholder hinweg treten dieselben Herausforderungen immer wieder auf: fragmentierte Workflows, uneinheitliche Prozesse, unklare Standards und zu viel Aufwand für die Verwaltung von Informationen, anstatt sie effektiv zu nutzen.
Um diese Herausforderung genauer zu untersuchen, haben wir eine Reihe von Umfragen durchgeführt. So wollten wir besser verstehen, wo BIM-Fachleute heute Reibungspunkte erleben und was sich ändern muss, damit die digitale Transformation im BIM konsistenter und skalierbarer wird.
BIM-Reife führt nicht automatisch zu reifen Workflows
In der Branche besteht die Tendenz, digitale Transformation als eine Frage der Einführung zu betrachten. Haben Teams BIM implementiert? Nutzen sie die richtigen Plattformen? Erstellen sie informationsreichere Modelle und mehr Daten?
Das sind wichtige Indikatoren für Fortschritt, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.
Ein Team kann digital gut ausgestattet sein und dennoch operativ Schwierigkeiten haben. Genau hier beginnt häufig die nächste Stufe der Reife. Sobald BIM eingeführt ist, verlagert sich der eigentliche Druck darauf, wie Informationen fließen, wie Standards angewendet werden, wie Teams sich koordinieren und wie Qualität erhalten bleibt, während Projekte sich weiterentwickeln.
Dass digitale Fähigkeiten schneller gewachsen sind als die Gestaltung der Workflows, ist genau der Punkt, an dem viele Organisationen beginnen, Reibungsverluste zu erleben.
Die Reibung zeigt sich in der Zusammenarbeit
Um besser zu verstehen, wo diese Reibung heute entsteht, haben wir BIM-Fachleuten über LinkedIn-Umfragen eine Reihe gezielter Fragen gestellt. Die Antworten kamen von mehr als 100 BIM-Managern, BIM-Koordinatoren, Digital Leads und anderen Fachleuten, die an Modellkoordination und Projektabwicklung beteiligt sind.
Ein Ergebnis fiel sofort auf: Die Zusammenarbeit zwischen Teams wurde als größte Herausforderung in BIM-Workflows identifiziert.
Das ist wichtig, denn Zusammenarbeit ist oft genau der Bereich, in dem digitale Transformation ihre klarsten Vorteile liefern soll. Geteilte Informationen, bessere Koordination, weniger Silos und vorhersehbarere Ergebnisse gehören alle zu diesem Versprechen. In der Praxis bleibt Zusammenarbeit jedoch schwierig, wenn Workflows nicht aufeinander abgestimmt sind.
Selbst wenn Teams digital arbeiten, arbeiten sie möglicherweise immer noch unterschiedlich. Eine Disziplin validiert Modelle auf eine bestimmte Weise, eine andere folgt einem anderen Issue-Management-Prozess, und eine weitere stützt sich auf Standards, die zwar verstanden, aber nicht konsequent angewendet werden. Das führt zu mangelnder operativer Klarheit und birgt das Risiko von Verwirrung und Missverständnissen, insbesondere wenn Teams und Projekte wachsen.
Uneinheitliche Workflows sind kein Nebenthema. Sie sind das eigentliche Problem.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis unserer Untersuchung war, dass die Konsistenz von Team-Workflows die zentrale Herausforderung für die Zusammenarbeit darstellt.
Das trifft den Kern des Problems. Zusammenarbeit im BIM bedeutet nicht nur, Modelle zu teilen oder Dateien auszutauschen. Sie hängt davon ab, ob Teams innerhalb einer gemeinsamen Struktur arbeiten können, mit gemeinsamen Erwartungen an Informationen, Validierung, Verantwortung und Issue-Lösung.
Wenn diese Strukturen schwach sind oder uneinheitlich angewendet werden, wird der Workflow selbst zur Quelle von Reibung. Teams verbringen mehr Zeit damit, Anforderungen zu interpretieren, zu prüfen, was aktuell ist, Issues manuell nachzuverfolgen oder die Entscheidungsgrundlagen im Nachhinein zu rekonstruieren.
Deshalb kann die digitale Transformation im BIM nicht rein als Technologieinitiative betrachtet werden. Sie ist auch eine Herausforderung der Workflow-Gestaltung.
Standards sind wichtig, aber nur, wenn sie in der Praxis funktionieren
Die Untersuchung wies auch auf ein weiteres strukturelles Problem hin, das die Transformation bremst: Ein Mangel an Standards bleibt eines der größten Hindernisse für Konsistenz.
Das ist nicht überraschend. Standards prägen, wie Informationen strukturiert werden, wie Lieferobjekte bewertet werden und wie Teams organisationsübergreifend zusammenarbeiten. Ohne Standards nimmt die Variabilität schnell zu: Teams verlassen sich stärker auf Interpretation, und Koordination lässt sich schwerer skalieren.
Das tiefere Problem ist jedoch nicht nur, ob Standards existieren. Entscheidend ist, ob sie operativ nutzbar sind.
In vielen Organisationen sind Standards noch immer in statischer Dokumentation gefangen. Sie können in einem BIM Execution Plan (BEP) definiert oder während der Projekteinrichtung besprochen werden, sind aber nicht immer in die täglichen Workflows eingebettet. Dadurch sind sie am Ort der Arbeit schwer anzuwenden, schwer konsistent zu validieren und schwer über Teams und Projektphasen hinweg aufrechtzuerhalten.
Genau hier verlieren viele Initiativen zur digitalen Transformation an Dynamik. Die strategische Absicht ist vorhanden, die Dokumentation vielleicht ebenfalls, doch der Workflow unterstützt noch keine konsistente Umsetzung.
Digitale Transformation im BIM entscheidet sich in der täglichen Projektabwicklung
Digitale Transformation wird nicht durch das Vorhandensein von Technologie bewiesen. Sie zeigt sich in den kleinen, wiederkehrenden Momenten der Projektabwicklung. Wenn Sie nicht sicher sind, wo Ihr Team in dieser Hinsicht steht, stellen Sie sich folgende Fragen: Kann mein Team ohne Verzögerung auf die richtigen Informationen zugreifen?
- Sind Standards klar genug, um im jeweiligen Kontext angewendet zu werden?
- Ist die Validierung konsistent und wiederholbar?
- Können Issues transparent über Disziplinen hinweg nachverfolgt werden?
- Bleiben Workflows zuverlässig, wenn sich Teams, Modelle und Verantwortlichkeiten ändern?
Das sind operative Fragen, aber zugleich strategische. Wenn Workflows fragmentiert sind, lassen sich digitale Initiativen nur schwer skalieren. Wenn Prozesse uneinheitlich sind, wird es schwieriger, Daten zu vertrauen. Wenn Standards von individueller Interpretation abhängen, wird es schwieriger, Qualität aufrechtzuerhalten.
Anders gesagt: Die digitale Transformation im BIM gerät ins Stocken, wenn tägliche Workflows nicht so aufgebaut sind, dass sie automatisch eine konsistente und standardisierte Arbeitsweise unterstützen. Wenn dies nicht integriert ist, wird echte Transformation schnell zum Wunschdenken.
Um den vollständigen Bericht anzusehen, klicken Sie hier.
Wie eine stärkere BIM-Ausführung aussieht
Die Herausforderung ist klar. Doch wie sieht Fortschritt aus?
Dafür ist ein Perspektivwechsel erforderlich. Statt zu fragen, welche Tools benötigt werden, müssen Organisationen fragen, wie Workflows um diese Tools herum strukturiert sind.
Eine stärkere BIM-Ausführung hängt typischerweise von einigen zentralen Fähigkeiten ab:
1. Zugängliche Projektinformationen
Teams benötigen zuverlässigen Zugriff auf aktuelle Modelle, Dokumente, Issues und Kommunikation. Nicht als voneinander getrennte Datenpunkte, sondern als Teil einer vernetzten Umgebung, die den richtigen Personen zur richtigen Zeit die richtigen Informationen bereitstellt.
2. Abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Teams
Verschiedene Disziplinen und Stakeholder benötigen eine gemeinsame Arbeitsweise mit klaren Prozessen für Koordination, Validierung und Issue-Lösung. Unabhängig davon, welche nativen Tools sie verwenden, sollten alle nahtlos zusammenarbeiten können.
3. Standards, die in der Praxis anwendbar sind
Anforderungen sollten nicht nur in der Dokumentation stehen. Sie müssen in den Tools und Workflows, die Teams täglich nutzen, sichtbar, nutzbar und messbar sein.
4. Zuverlässige, wiederholbare Prozesse
Während Projekte sich weiterentwickeln, benötigen Teams Workflows, die Qualität konsistent sichern, anstatt von manuellen Prüfungen oder individuellem Wissen abhängig zu sein.
5. Effiziente Koordination
Je stärker sich wiederholender Aufwand durch Automatisierung, Standardisierung und vernetztes Issue-Management reduzieren lässt, desto mehr Zeit können Teams für wertschöpfende Arbeit aufwenden.
Nichts davon ist besonders theoretisch. Es handelt sich um praktische Voraussetzungen, damit BIM im großen Maßstab funktioniert.
Von Erkenntnis zu Handlung
Für Organisationen, die die digitale Transformation im BIM ernst nehmen, liegt der nächste Schritt nicht unbedingt in einer weiteren Plattform, einem weiteren Richtliniendokument oder einer weiteren isolierten Verbesserungsinitiative.
Der nächste Schritt besteht darin, den Workflow selbst genau zu betrachten. Fragen Sie sich:
- Wo werden Informationen fragmentiert?
- Wo hängt Zusammenarbeit zu stark von manueller Nachverfolgung ab?
- Wo existieren Standards, bleiben aber schwer anwendbar?
- Wo hängt Qualität von Aufwand statt von Prozessen ab?
Diese Fragen bringen die Diskussion von digitaler Ambition hin zu operativer Umsetzung. Wenn Sie erkennen, wo Ihre Herausforderungen liegen, wird die Lösung klarer und echter Fortschritt kann beginnen.
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