Wie AFRYs frühe Einführung offener Standards die Zusammenarbeit verändert hat
Als ein großer Teil der Infrastrukturbranche noch in proprietären Formaten feststeckte, entschied sich AFRY für einen anderen Weg. Lange bevor IFC 4.3 zum Standard wurde, legte AFRY sich auf eine offene, herstellerneutrale und zukunftssichere Arbeitsweise fest: eine Arbeitsweise, die es Ingenieuren, Planern und anderen Stakeholdern ermöglicht, nahtlos über Tools und Disziplinen hinweg zusammenzuarbeiten.
Es war ein vorausschauender Schritt, der aus einer Notwendigkeit heraus entstand. Angesichts der Komplexität, der Größenordnung und der multidisziplinären Natur der Projekte im Portfolio wären die Kosten der Fragmentierung schlicht zu hoch gewesen.
Heute, da offene Standards zur Norm werden, hat sich AFRYs frühe Vision bewährt. Sie zeigt, dass eine standardisierte Arbeitsweise der klügste Weg ist, um in dieser Branche flexibel und skalierbar zu bleiben.
Hintergrund
AFRY bietet Engineering-, Projektmanagement- und Beratungsleistungen, die die Energie- und Industrietransformation vorantreiben und beim Aufbau einer stärkeren Gesellschaft helfen. Mit 18.000 Experten weltweit in mehr als 100 Ländern verbindet AFRY globale Reichweite mit lokalem Know-how, um messbare Wirkung zu erzielen. Aus über 300 lokalen Büros heraus unterstützen AFRYs Teams Kundenprojekte, die von Energiesystemen und Verkehrsinfrastruktur bis hin zu Industrieanlagen reichen.
Die Art dieser Projekte machte den Bedarf an einer standardisierten, interoperablen Arbeitsweise noch dringlicher. Infrastrukturprojekte erstrecken sich häufig über mehr als 30 km und binden mehrere Disziplinen und Partner ein. Fragmentierte Tools und Workflows bedrohten dadurch sowohl die Effizienz als auch die Datenintegrität. Der Fokus auf offene Standards sollte globale Zusammenarbeit auf praktische Weise ermöglichen und zugleich die Grundlage für eine zukunftssichere Projektrealisierung schaffen.
Die Herausforderung
Im Jahr 2018 koordinierten AFRYs Teams Projekte über viele Disziplinen hinweg, wobei jede Gruppe eine große Sammlung an Tools nutzte. Proprietäre Formate sorgten für harte Grenzen zwischen System-Umgebungen. Ein aus einem Tool exportiertes Modell ließ sich im nächsten nicht zuverlässig nutzen oder teilweise nicht einmal öffnen. Aus IT-Sicht war die Entscheidung für einen einzigen Anbieter verlockend. Es gab jedoch keine Lösung, die für alle funktionierte, ohne erhebliche Einschränkungen mit sich zu bringen.
AFRY brauchte einen Weg, um:
- die Zusammenarbeit über mehr als 20 Tools hinweg zu vereinheitlichen, ohne eine bestimmte Tool-Landschaft vorzuschreiben.
- konsistenten, langfristigen Datenzugriff zu gewährleisten, der nicht von veränderlichen Softwareversionen abhängig ist.
- die Grundlage für Automatisierung, z. B. Qualitätsprüfungen, mit harmonisierten Daten zu legen.
- wachsende Vorgaben von Kunden zu offenen Standards in öffentlichen Ausschreibungen zu erfüllen.
Die Entscheidung: Ein IFC-first, tool-offener Ansatz
AFRYs BIM-Leitung traf eine klare Entscheidung: „Setzen Sie nicht alles auf ein einziges Pferd.“ Jedes Team durfte sein Toolset wählen, solange es im IFC-Format importieren und exportieren konnte. Damit stand ein offenes Schema im Zentrum der Strategie. Gleichzeitig verlagerte sich der Fokus darauf, klare, intern abgestimmte Standards und Prozesse zu etablieren, um diese Vision umzusetzen.
“Solange Sie IFC liefern, können Sie arbeiten, wie Sie möchten. Das Tool sollte nicht entscheiden, wie wir zusammenarbeiten.”
— Paul-Christian Max, Digital Transformation Manager, AFRY
Von Harmonisierung zur Transformation
Um einen IFC-first-Workflow in der Praxis umzusetzen, schuf AFRY eine neue digitale Grundlage. Das Unternehmen entwickelte projektadaptierbare Vorlagen, gemeinsame Modellierungsrichtlinien und geteilte Koordinatensysteme. So konnte jede Disziplin sicherstellen, dass ihre Modelle von Anfang an korrekt ausgerichtet sind. Regelmäßige Trainings, Q&As und individuelles Onboarding halfen dabei, Open-BIM-Praktiken in den Büros und bei Partnern zu etablieren. Dieser strukturierte Ansatz für klare interne Prozesse war entscheidend für den Erfolg der Transformation. Der Rollout blieb pragmatisch: klein starten, schnell lernen, dann standardisieren und skalieren.
Diese Grundlage machte BIMcollab zu einer naheliegenden Wahl. BIMcollab Zoom erwies sich als besonders geeignet, um Modelle im Infrastrukturmaßstab zu verarbeiten. Einige Modelle spannten sich über 30 Kilometer und umfassten mehr als 600 IFC-Dateien, ohne Performanceverlust. „Andere Tools würden einfach abstürzen“, sagt Paul-Christian. BIMcollab Zoom wurde zum verlässlichen Fenster in riesige Datensätze, lieferte vorhersehbare Leistung und stärkte das Vertrauen der Nutzer in den Prozess.
Gleichzeitig gab BIMcollabs Plattform den Teams eine Single-Source-of-Truth für die Koordination. Sämtliche Designkommunikation, von Clash-Diskussionen bis zu formalen Entscheidungen, wurde in der Plattform erfasst. So entstand ein lebendiges Protokoll von Verantwortlichkeiten. Durch globale Vereinbarungen und transparente Administration konnte AFRY neue Nutzer problemlos onboarden und Projektkosten planbar sowie im Budget halten. „Die Preisgestaltung von BIMcollab ist wirklich transparent“, sagt Paul-Christian. „Vielleicht ein kleines Detail, aber für uns macht es einen großen Unterschied. Es gibt uns die Sicherheit, bei Bedarf neue Nutzer hinzuzufügen, ohne befürchten zu müssen, dass uns die Preise überraschen und wir beim jeweiligen Projektbudget darüber liegen.“
Gemeinsam verwandelten harmonisierte Standards und BIMcollabs offene Infrastruktur das, was sonst ein Flickenteppich an Tools gewesen wäre, in ein verbundenes Ökosystem. Selbst weniger technische Nutzer in Nicht-BIM-Rollen wurden sicher im Umgang mit BIMcollab. Das zeigt, wie einfach die Plattform zu bedienen ist und wie stark AFRYs Prozess aufgesetzt wurde.
Klarheit, Konsistenz und kultureller Wandel
Die Wirkung war spürbar. In einem Projekt stellte ein Auftragnehmer vor Ort ein Detail in der Planung in Frage. Statt eine lange E-Mail-Kette zu starten, verwies Paul-Christian im BIMcollab WebViewer auf das Modell und führte den Auftragnehmer visuell durch das Thema. Das Missverständnis war schnell ausgeräumt und die Angelegenheit geklärt. Keine Zeichnungen wurden neu erstellt, es passierten keine Fehler auf der Baustelle, und Frustration zwischen den Stakeholdern ließ sich vermeiden.
In einem anderen Fall hinterfragte ein Kunde eine Entscheidung, die AFRYs Team getroffen hatte. Ohne zu zögern konnte das Team auf eine klare, datierte Nachrichtenhistorie verweisen, jeweils im Kontext innerhalb der Plattform. Die Bedenken des Kunden wurden schnell ausgeräumt, ohne langwierige Diskussion.
Diese Situationen treffen den Kern von AFRYs Transformation. Klarheit ersetzte Komplexität, und Vertrauen ersetzte Zweifel. In Projekten zeigte sich dasselbe Muster: reibungsloseres Onboarding durch wiederverwendbare Vorlagen, weniger Bedarf an individuellen Konfigurationen in unterschiedlichen Authoring-Tools und ein besseres Verständnis bei Auftragnehmern und Kunden. Sie konnten endlich sehen, was in 3D gebaut werden sollte, und dem Modell auch vertrauen.
Saubere, konsistente IFC-Daten wurden außerdem zum Startpunkt für Automatisierung. Mit verlässlichen, strukturierten Informationen konnten Teams Workflows für Qualitätsprüfungen, 5D-Kostenschätzung und Visualisierung aufbauen: Schritte, die früher viel Zeit und Aufwand für Datenaufbereitung erforderten. Die Investition in offene Standards zahlte sich nicht nur in Effizienz aus, sondern auch in Sicherheit.
Ergebnisse auf einen Blick
- Vereinheitlichte Zusammenarbeit über unterschiedliche Tools hinweg mit einer IFC-first-Policy.
- Zuverlässige Verarbeitung von Modellen im Infrastrukturmaßstab mit BIMcollab Zoom.
- Zentralisierte, auditierbare Koordination (Issues, Entscheidungen, Besprechungsprotokolle).
- Weniger Nacharbeit und weniger Verwirrung auf der Baustelle durch gemeinsamen 3D-Kontext.
- Reibungsloseres Onboarding durch gezielten Wissensaustausch, wiederverwendbare Vorlagen und geringe projektspezifische Anpassungen.
- Klarer Weg zur Automatisierung dank harmonisierter Datenstrukturen.
Fazit
AFRYs Erfahrungen vermitteln eine klare Botschaft für eine Branche, die noch immer den Übergang zu Open BIM vollzieht. Ein offener Ansatz ist der beste Weg, um langfristig Bestand zu haben. IFC stellt sicher, dass Daten auch Jahrzehnte später noch nutzbar sind, lange nachdem sich heutige Software verändert hat. Entscheidend ist jedoch: Starke, klare Standards müssen vor Geschwindigkeit kommen. Ohne saubere Vorlagen und konsistente Prozesse wird Automatisierung nicht skalieren. Und vor allem gilt: Kommunikation schlägt Dokumentation. Regelmäßiger Austausch, nicht umfangreiche Handbücher, macht Standards zur gelebten Praxis und hilft Unternehmen wie AFRY, Prozesse im Laufe der Zeit zu vereinfachen und zu verbessern.
„BIMcollab verarbeitete unsere größten Infrastrukturmodelle ohne Zögern. Außerdem verband es die unterschiedlichen Tools, die wir genutzt haben. So konnten wir eine gemeinsame Sprache finden und einen zentralen Ort schaffen, an dem alle BIM-bezogenen Arbeiten zusammenlaufen. Die Zuverlässigkeit machte Open BIM für alle praktikabel.“ — Davide Barbero, Team Manager BIM & Digital Engineering, AFRY
Rückblickend ging es bei AFRYs IFC-first-Ansatz nicht nur um Technologie. Es ging darum, eine Kultur der Offenheit und Verantwortlichkeit zu prägen. Der Ansatz gab den Teams die Freiheit, die Tools zu wählen, die am besten zu ihnen passen, und richtete gleichzeitig alle an einer gemeinsamen digitalen Sprache aus. Jahre später, da offene Standards eher zur Regel als zur Ausnahme werden, ist AFRYs frühe Entscheidung ein Beleg dafür, dass Standardisierung Sie nicht ausbremst. Im Gegenteil: Sie kann eine starke Grundlage für Skalierung und Flexibilität sein.