Maber nhs building getting built by bimcollab

Menschzentriertes BIM: Wie Maber ein großes NHS-Projekt vereinfachte

Digitale Transformation im Bauwesen wird häufig mit neuen Tools, KI und Automatisierung in Verbindung gebracht. In realen AEC-Projekten entsteht echter Wandel jedoch selten dadurch, dass zusätzliche Software auf bestehende Probleme aufgesetzt wird. Teams arbeiten weiterhin mit fragmentierten Workflows, uneinheitlicher Nutzung digitaler Prozesse und wachsendem Druck, Projekte transparent und kontrolliert umzusetzen. Doch was bedeutet das in der Praxis?  

Für Maber Architects war die Lücke zwischen digitalem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung nicht mehr zu übersehen. Schnell wurde klar, dass mehr Software allein das Problem nicht lösen würde. 

Stattdessen entschied sich das Unternehmen für einen stärker menschzentrierten Ansatz. Der Fokus lag darauf, die Arbeit mit Informationen zu vereinfachen und digitale Prozesse fest in die Projektabwicklung zu integrieren. So wurde digitale Transformation tatsächlich umsetzbar.  

Dieser Ansatz wurde beim Midland Metropolitan University Hospital (MMUH) auf die Probe gestellt, einem großen und komplexen NHS-Projekt, bei dem Unterbrechungen, Projektgröße und Risiken eine praktischere und stärker vernetzte Arbeitsweise erforderlich machten. 

Hintergrund 

Maber Architects ist ein führendes Architekturbüro und BIM-Beratungsunternehmen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Vereinigten Königreich. Das Unternehmen konzentriert sich darauf, digitale Bauprozesse zu etablieren, die praxisnah, skalierbar und auf die Projektabwicklung abgestimmt sind. 

Die Philosophie ist einfach: Digitale Prozesse sollen Reibungsverluste reduzieren, leicht verständlich sein und sich nahtlos in bestehende Workflows integrieren. Wenn das nicht gelingt, ist eine erfolgreiche Skalierung kaum möglich. 

Josh Chrystal, Head of Digital bei Maber, verantwortet die Integration dieser Prinzipien innerhalb des Unternehmens und darüber hinaus in der gesamten Branche. Sein Team unterstützt Projekte in Bereichen wie Digital Twin Asset Management, Mixed-Reality-Visualisierung und nachhaltigkeitsorientierten Workflows. Dabei stehen stets praktische Ergebnisse in der Projektabwicklung im Mittelpunkt. 

Herausforderung 

Als Maber die Rolle des BIM-Managers für das Midland Metropolitan University Hospital (MMUH) übernahm, stieg das Unternehmen in ein Projekt ein, das von erheblichen Störungen und hoher Komplexität geprägt war. 

Das Projekt war nach der Insolvenz des ursprünglichen Auftragnehmers im Jahr 2018 gestoppt worden. Nachdem ein neuer Auftragnehmer mit der Fertigstellung beauftragt wurde, wurde Maber während der laufenden Ausführung hinzugezogen, um Struktur und Vertrauen in den BIM-Ansatz wiederherzustellen. Zu diesem Zeitpunkt war der Zeitdruck enorm, da kaum noch Spielraum für Fehler bestand.  

Zu diesem Zeitpunkt waren die Gebäudestruktur und die äußere Gebäudehülle weitgehend fertiggestellt. Ein erheblicher Teil der TGA-Koordination war jedoch noch ungelöst. Daraus ergab sich eine zentrale Herausforderung: Sicherzustellen, dass das bereits Gebaute vollständig mit den noch ausstehenden Arbeiten kompatibel war, sicher umgesetzt werden konnte und keine Nacharbeiten erforderlich wurden. 

Gleichzeitig übernahm Maber eine BIM-Umgebung, die noch stark von früheren Projektphasen geprägt war: 

  • Dokumentationen waren teilweise unvollständig oder enthielten nicht den erforderlichen Detaillierungsgrad für die Ausführung.  
  • Eine veraltete BIM-Strategie, die Jahre zuvor entwickelt worden war und nicht mehr den aktuellen Best Practices entsprach.  
  • Ein stark complianceorientierter BIM-Ansatz, der primär auf die Erfüllung formaler Anforderungen statt auf klare Projektergebnisse ausgerichtet war.  
  • Fragmentierte Workflows, die nicht der tatsächlichen Zusammenarbeit der Teams auf der Baustelle entsprachen.  

Besonders das Issuemanagement stellte einen kritischen Schwachpunkt dar. Die Koordination basierte überwiegend auf statischen Tabellenkalkulationen, die schwer zu pflegen waren und von den Teams kaum genutzt wurden. Bei einem Projekt dieser Größenordnung mit Tausenden zu lösenden Kollisionen bedeutete dies ein erhebliches Risiko für Effizienz und Genauigkeit. 

Eine der komplexesten Herausforderungen war das Management von Durchbrüchen und Brandschutzanforderungen. Rund 10.000 Öffnungen mussten überprüft und validiert werden. Der Koordinationsprozess erforderte daher nicht nur hohe Genauigkeit, sondern auch Konsistenz und Nachvollziehbarkeit, insbesondere angesichts der strengen regulatorischen Anforderungen an den Brandschutz im Gesundheitswesen. 

Darüber hinaus bestand eine deutliche Diskrepanz zwischen digitalen Prozessen und der Realität auf der Baustelle. Die Teams benötigten eine Möglichkeit, effektiv mit der bestehenden Gebäudestruktur zu koordinieren, bereits ausgeführte Arbeiten zu überprüfen und sicherzustellen, dass die Planungsabsicht zuverlässig umgesetzt werden konnte. Josh Chrystal beschrieb die Situation wie folgt: 

„Die digitale Landschaft hatte sich seit dem ursprünglichen Projektstart massiv verändert. Der Übergang von BS1192 und BIM Level 2 hin zu Information Management und dem ISO19650-Framework führte dazu, dass Kundenerwartungen, BIM-Strategien und Prozesse nicht mehr mit den aktuellen Branchenstandards und der heutigen Anwendung von BIM übereinstimmten. Eine unserer ersten Aufgaben bestand deshalb darin, zu den Grundlagen zurückzukehren und sicherzustellen, dass die digitalen Prozesse im Projekt klar definiert, dokumentiert und für den Kunden tatsächlich wertschöpfend waren, insbesondere im Hinblick auf die Projektübergabe.“ 

Maber nhs with bimcollab software

Lösung 

Anstatt zusätzliche Komplexität einzuführen, setzte Maber auf einen praxisnahen Ansatz: bestehende Workflows vereinfachen und in die tatsächliche Arbeitsweise der Teams integrieren. 

Eine entscheidende Veränderung bestand darin, Issuemanagement als festen Bestandteil des Designmanagements zu definieren und nicht als separate BIM-Aufgabe. 

Zur Unterstützung nutzte Maber regelbasiertes Model Checking in Solibri in Kombination mit BIMcollab für die BIM-Koordination. Dadurch entstand ein vernetzter und leicht zugänglicher Workflow für das Issuemanagement. 

Dies ermöglichte: 

  • Eine zentrale, gemeinsame Plattform für das Tracking von Issues.  
  • Klare Verantwortlichkeiten über alle Fachdisziplinen hinweg.  
  • Direkten Zugriff für Planer innerhalb ihrer nativen Authoring-Tools.  
  • Transparente Kommunikation ohne Abhängigkeit von isolierten Tabellenkalkulationen.  

Damit veränderte sich grundlegend, wie Teams mit Koordination umgingen. Zuvor wurden umfangreiche Excel-Berichte mit teilweise Hunderten oder Tausenden von Kollisionen verteilt, oft ohne ausreichende Transparenz oder aktive Beteiligung der Teams. 

Mit BIMcollab wurden Issues sofort geteilt, sichtbar und direkt innerhalb der bereits genutzten Tools bearbeitbar. Teams konnten Issues im jeweiligen Modellkontext prüfen, kommentieren und lösen. Dadurch verringerte sich der Aufwand für manuelles Tracking sowie die Anzahl unnötiger Koordinationsmeetings. 

Durch die strukturierte Organisation des Issuemanagements in BIMcollab etablierte Maber einen konsistenten und skalierbaren Prozess, mit dem Teams problemlos arbeiten konnten. Koordination wurde dadurch zu einer integrierten täglichen Aktivität statt zu einer isolierten Aufgabe.  

Wichtig dabei war, dass es sich nicht um eine technologiegetriebene Veränderung handelte, sondern um einen prozessorientierten Ansatz, bei dem BIMcollab als Enabler für eine stärker vernetzte und praxisorientierte Arbeitsweise fungierte. Ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Einführung war zudem, dass BIMcollab allen Beteiligten ermöglichte, weiterhin mit ihren bevorzugten nativen Tools zu arbeiten, während Workflows und Issuemanagement zentral über BIMcollab als Koordinationshub verbunden wurden.  

„Die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit von BIM sind entscheidend für den Erfolg“, erklärte Josh. „Selbst der robusteste digitale Prozess scheitert, wenn die richtigen Personen keinen Zugriff darauf haben. Der Model WebViewer von BIMcollab ermöglicht es Stakeholdern aller technischen Erfahrungsstufen, Issues im Kontext der aktuellen 3D-Modelle zu prüfen. Das BCF Manager Plugin erlaubt es Planern außerdem, Ergebnisse der Kollisionsprüfung direkt in ihrer nativen Software aufzurufen. Durch das Entfernen dieser technischen Barrieren stellen wir sicher, dass Projektteams aktiv in den BIM-Prozess eingebunden bleiben.“ 

Dasselbe Prinzip wurde auch bei der Informationsübergabe angewendet. Angesichts umfangreicher COBie-Anforderungen arbeitete Maber eng mit dem NHS Trust und dem beauftragten Facility Manager zusammen, um festzulegen, welche Daten tatsächlich benötigt wurden.  

Durch den Fokus auf Ergebnisse statt Datenvolumen sowie durch strukturierte, datenbankgestützte Workflows wurde sichergestellt, dass Assetinformationen nutzbar, validiert und auf betriebliche Anforderungen abgestimmt waren.  

Ergebnisse 

Der Ansatz von Maber half dabei, eine fragmentierte digitale Umgebung in eine strukturiertere, zuverlässigere und kollaborative Arbeitsweise zu transformieren: 

  • Tausende Koordinations-Issues wurden über eine zentrale und zugängliche Plattform verwaltet.  
  • Mehr als 10.000 Durchbrüche konnten mit höherer Sicherheit und besserer Nachvollziehbarkeit verfolgt und validiert werden.  
  • Die Einbindung multidisziplinärer Teams wurde verbessert, indem Issuemanagement in tägliche Workflows integriert wurde.  
  • Die Abhängigkeit von Tabellenkalkulationen wurde reduziert, wodurch Fehler und Ineffizienzen minimiert wurden.  
  • Strukturierte und nutzbare Assetinformationen wurden entsprechend den betrieblichen Anforderungen bereitgestellt.  

Neben den operativen Verbesserungen zeigte das Projekt, wie praxisnahe und menschenzentrierte Maßnahmen Koordinationsrisiken reduzieren, Transparenz erhöhen und Teams mehr Kontrolle über komplexe Projektabwicklungen geben können.  

MMUH gilt inzwischen als Pathfinder-Projekt innerhalb des New Hospital Programme (NHP), einer ambitionierten Initiative mit dem Ziel, bis 2030 insgesamt 40 neue Krankenhäuser zu realisieren. Die digitalen Erkenntnisse aus MMUH haben maßgeblich dazu beigetragen, Best Practices für Information Management in zukünftigen Projekten zu definieren und umzusetzen. 

Josh Chrystal erklärte dazu: 

„Das Management digitaler Prozesse in einem groß angelegten Bauprojekt wie einem neuen Akutkrankenhaus ist immer herausfordernd. Wenn zusätzlich mitten im Projekt die vertraglichen Komplexitäten durch die Insolvenz eines Auftragnehmers hinzukommen, wird die Bedeutung klar definierter Prozesse noch größer. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse aus diesem Projekt dazu beitragen, auch künftig einen pragmatischen und verständlichen Ansatz für digitale Projektabwicklung in Krankenhausprojekten zu bewahren, insbesondere im Rahmen des NHP.“  

Fazit 

Die Arbeit von Maber Architects am MMUH verdeutlicht einen wichtigen Wandel darin, wie digitale Transformation im BIM-Kontext umgesetzt werden kann. 

Anstatt sich übermäßig auf neue Tools oder aufkommende Technologien zu verlassen, wurde Fortschritt erzielt, indem Menschen, Prozesse und Technologie so aufeinander abgestimmt wurden, dass sie den tatsächlichen Anforderungen der Projektabwicklung entsprechen.  

BIMcollab spielte dabei eine zentrale Rolle, nicht als zusätzliche Ebene, sondern als Grundlage für strukturiertes, transparentes und skalierbares Issuemanagement. 

Das Ergebnis ist ein klares Beispiel dafür, wie Unternehmen fragmentierte Workflows durch praktische und realistisch umsetzbare Schritte in effiziente Zusammenarbeit überführen können.  

Mit Blick auf die Zukunft sagte Josh Chrystal: 

„In einer Branche, in der KI-gestützte Tools zunehmend zum Standard werden, müssen digitale Prozesse weiterhin menschzentriert bleiben, um echten Mehrwert zu schaffen, statt lediglich der nächsten technologischen Entwicklung hinterherzulaufen. Während wir das B aus BIM zunehmend hinter uns lassen und uns auf Information Management konzentrieren, werden gut strukturierte Informationen in offenen Formaten unverzichtbar, damit KI-Systeme ihr volles Potenzial entfalten können.“ 

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